
„Der Kick, der teuer wird“ – Präventionsveranstaltung an der PPC-Schule
- Posted by PPC-Limburg
- Categories Blog
- Date 12. Februar 2026
„Der Kick, der teuer wird“ – Präventionsveranstaltung an der PPC-Schule
Uwe Schaar, Suchtberater der Regionalen Diakonie Limburg-Weilburg, besuchte zwei Klassen der Jahrgangsstufe 11 der Berufsfachschulen an der Peter-Paul-Cahensly-Schule. In einer Präventionsveranstaltung zu Sportwetten und Glücksspielsucht gab er den Schülerinnen und Schülern eindrückliche Einblicke in die Entstehung, die Mechanismen und die Gefahren des Glücksspiels.
Die Veranstaltung war von Beginn an von einer regen Beteiligung der Schülerinnen und Schüler geprägt. Sie brachten eigene Erfahrungen ein und berichteten offen von Erlebnissen aus ihrem persönlichen Umfeld – von Freunden, Bekannten oder Familienmitgliedern, die mit Sportwetten, Online-Spielen oder Glücksspiel in Berührung gekommen sind. Dadurch entwickelte sich ein lebendiger Austausch, der zeigte, wie nah das Thema am Alltag vieler junger Menschen ist.
Seit über drei Jahrzehnten arbeitet Uwe Schaar als Suchtberater und kennt die Problematik aus der Praxis. Er berichtete von „ganz normalen Menschen“, die mit mehr als 100.000 Euro Schulden in die Beratung kommen – oft erst dann, wenn sie bereits Ehe, Freundschaften, Kreditwürdigkeit und manchmal sogar ihren Arbeitsplatz verloren haben. Trotz dieser Verluste träumten viele weiterhin vom großen Gewinn, überzeugt davon, ein System zu haben oder kurz vor dem Erfolg zu stehen.
Dabei gehe es bei der Spielsucht nicht in erster Linie ums Geld, betonte Schaar. Entscheidend seien andere Faktoren: das Abschalten vom Alltag, Selbstbestätigung, der Kick und der Rausch. Geld sei lediglich das Mittel, um diese Gefühle zu erzeugen. Wie gut dieses Geschäftsmodell für die Anbieter funktioniere, verdeutlichte er mit einer Zahl: In hessischen Spielhallen und Gaststätten würden monatlich rund 35 Millionen Euro verspielt – die Umsätze im Online-Bereich seien dabei noch nicht einmal erfasst.
Besonders aufmerksam verfolgten die Schülerinnen und Schüler die Ausführungen zur Verlagerung des Glücksspiels ins Internet. Während Spielhallen zunehmend reguliert seien, gebe es online kaum wirksame Kontrollen. Gespielt werde heute jederzeit und überall. Viele Jugendliche würden sehr früh an spielähnliche Mechanismen herangeführt, etwa durch Computerspiele oder Apps, bei denen reales Geld eingesetzt werden kann, um schneller voranzukommen. Auch soziale Medien wie TikTok böten zahlreiche Möglichkeiten, echtes Geld auszugeben.
Ein weiterer Schwerpunkt waren Sportwetten, die besonders bei jungen Männern im Trend liegen. Diese würden häufig nicht als Glücksspiel wahrgenommen, sondern als eine Art sportliche Kompetenzprobe. Genau darin liege jedoch die große Falle, erklärte Schaar. Gewinne entstünden nicht durch Fußballwissen, sondern vor allem durch riskante Live-Wetten – hier gehe es um Nervenkitzel, nicht um Strategie.
Der Weg in die Spielsucht verlaufe fast immer ähnlich: erste gemeinsame Besuche im Wettbüro, ein früher Gewinn, steigende Einsätze, der Versuch, Verluste auszugleichen, und schließlich das so genannte magische Denken. Die Folgen seien oft Schulden, Scham, sozialer Rückzug und nicht selten auch strafbares Verhalten.
Die offene Atmosphäre der Veranstaltung ermöglichte es den Schülerinnen und Schülern, Fragen zu stellen und kritisch mitzudenken. Die Präventionsveranstaltung machte deutlich, wie wichtig frühzeitige Aufklärung ist – und dass Glücksspielsucht ein Thema ist, das viele junge Menschen direkt oder indirekt betrifft.
Die Kooperation mit der Diakonie Limburg-Weilburg ist Teil des umfassenden Beratungs- und Unterstützungskonzepts der Peter-Paul-Cahensly-Schule, das Schülerinnen und Schülern vielfältige Hilfsangebote bietet.
Weitere Informationen und Ansprechpartner zum Thema Suchtprävention sowie zu vielen anderen Unterstützungsangeboten der Peter-Paul-Cahensly-Schule finden Sie unter: https://www.ppc-schule.com/ppc-info/beratung-und-unterstuetzung/



